Direktansprachen unter Mitbewerbern. Gehört sich das?

Immer mal wieder hören wir aus unserem Netzwerk von erbosten Geschäftsführern die bei der Geschäftsleitung der Konkurrenz aufschlagen.

Der Stein des Anstosses: Die Konkurrenz nimmt sich die ungeheuerliche Freiheit, sich freundlich nach dem beruflichen Wohlbefinden einzelner Arbeitnehmer zu erkundigen. Okey, wir geben es ja zu, das war jetzt ein wenig weich gespült. Schliesslich geht es um Active Sourcing. Direktansprachen quasi. Und das hinterlässt auch heute noch den fahlen Nachgeschmack des Abwerbens.

Aber ist das so schlimm? Gehört sich das nicht? Gibt es da einen Ehrenkodex der dieses Vorgehen unter Mitbewerbern verbietet?

Wir haben dazu unsere eigene, verständlicherweise stark beeinflusste, Meinung.

Linkedin macht pro Jahr rund 2 Millarden Dollar Umsatz mit Recruiting Lösungen. Ein Teil davon fällt auf die Linkedin Recruiter Lizenzen ab, mit welchen man im Business Netzwerk nach aktiven oder passiven Personen Ausschau halten kann. Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Plattformen die ähnliche Lösungen anbieten: Xing, Stack Overflow, Visage, Entelo, Amazing Hiring. Alle darauf ausgerichtet die ominöse eierlegende Wollmilchsau aufzuspüren. Der «War for Talents» ist in vollem Gange.

Laut Statista sind rund 2,8 Millionen Schweizer Mitglied auf LinkedIn registriert. Sie sind angemeldet um zu netzwerken, sich auszutauschen, oder nach einem neuen Job zu suchen. Die gleiche Quelle gibt weiter an, das im Jahr 2018 in der Schweiz durchschnittlich rund 5,1 Millionen Personen erwerbstätig waren. Das bedeutet, theoretisch, mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen in der Schweiz haben einen Linkedin Account!

Wir sind somit der Meinung, dass Active Sourcing im Jahr 2020 Bestandteil jeder erfolgreichen Rekrutierungsstrategie sein sollte. Ob beim Grosskonzern oder KMU. Heutzutage ist es wichtig strategisch und kontinuierlich am Arbeitsmarkt präsent zu sein. Beginnt man als Unternehmen erst bei Bedarf mit der Mitarbeitersuche, ist man häufig bereits mehrere Monate zu spät.

Mit Hilfe sozialer Medien aktiv zu Netzwerken, gehört andererseits auch in jede fundierte Karriereplanung. Ob man als Kandidat*in aktiv etwas Neues sucht oder einfach mal den Markt sondiert, spielt dabei keine so grosse Rolle. In unserer sich schnell verändernden Welt ist es in erster Linie wichtig, Trends früh zu erkennen, um dann bereit zu sein, wenn sich Chancen ergeben.

Unsere Erfahrung bei Veezio Schweiz GmbH zeigt immer wieder aufs neue: Die Active Sourcing Bemühungen der Konkurrenz läuft ins Leere wenn Mitarbeiter*innen die Wertschätzung erhalten die ihnen zusteht. Wenn sie gefordert und gefördert werden, im Unternehmen eine offene Gesprächskultur herrscht und eine klare Strategie vorhanden ist. Die Arbeitnehmer haben dann ganz einfach keinen Grund zu wechseln. Und wer nur des Geldes wegen wechselt ist eh selber schuld. Linkedin hilft seinen Mitgliedern zudem unerwünschte InMail-Anfragen zu unterbinden.

Wir können die Welt um uns herum nicht verändern. Wir können jedoch vieles beeinflussen was unseren eigenen Unternehmens-Kosmos betrifft: Wenn also ein Mitarbeiter zum Mitbewerber wechselt, kann es hilfreich sein, zuerst nach innen zu schauen, bevor man den Mitbewerber und seine Active Search Bemühungen verteufelt.

In diesem Sinne fordere ich euch Recruiter da draussen auf meine Mitarbeiter «abzuwerben». Wir sind ready!