«Liebe Recruiter da draussen, bitte werbt mir doch endlich meine Mitarbeiter*innen ab!»

Active Sourcing und die Vorteile der direkten Kontaktaufnahme.

Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie auf LinkedIn von einer Ihnen fremden Person angeschrieben wurden? Waren Sie verdutzt, erleichtert oder sogar schockiert? Doch wie kann so etwas nur geschehen? Da haben Sie sich auf Anraten Ihrer Freunde ein Profil auf LinkedIn erstellt, sämtliche Informationen eingetragen und auch ein nettes Profilbild hinterlegt und gingen davon aus, dass Sie sich nur mit Ihren bestätigten Kontakten austauschen können! Natürlich haben die vielen Kontaktanfragen Sie erfreut – endlich wissen Sie, was Ihr ehemaliger Schulfreund heute so treibt! Doch die anfängliche Euphorie schlägt jedoch schon bald in träge Langeweile über, denn Sie möchten keinesfalls so viel Zeit auf den sozialen Plattformen verbringen. Welche Vorteile ein Business Netzwerk sonst noch bringen kann, blieben Ihnen verborgen. Bis zum heutigen Tag, als Sie nichtsahnend eine Anfrage von einem Recruiter in Ihrer Inbox erhalten. Sie lesen die Mitteilung aufmerksam durch und haben nun verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren:

  • Sie freuen sich, dass Sie und Ihre Skills auf dem Markt gefragt sind und Sie ohne Aufwand eine passende Stelle angeboten bekommen. Ihr Marktwert ist somit bestätigt. Sie können sich nun ohne jeglichen Druck entscheiden, ob Sie das Angebot genauer prüfen möchten oder Sie informieren den Recruiter, dass Sie an einem Stellenwechsel aktuell nicht interessiert sind.
  • Sie sind fuchsteufelswild, weil diese fremde Person die «Frechheit» besitzt, Sie ungefragt anzuschreiben und Ihnen einen Job anzubieten, obwohl Sie keinen Stellenwechsel planen. Sie informieren den Recruiter unfreundlich, dass Sie nicht interessiert sind und keine weiteren Angebote mehr wünschen.
  • Sie können die Nachricht ignorieren oder Ihre Einstellungen so anpassen, dass Anfragen von Recruitern zukünftig blockiert werden.

Wenn aus einer Mücke ein Elefant wird – oder so.

Können Sie sich jedoch vorstellen, dass es im Jahr 2020 Persönlichkeiten gibt, die sich über eine Anfrage des Recuriters unverhältnismässig stark aufregen? Dass dies als Anlass genommen wird, direkt zum Vorgesetzten zu rennen, um ihn über diesen unvorstellbar unangemessenen Vorfall zu informieren? Ja, das gibt es wirklich und passiert uns Recruitern (leider) sehr oft. Doch wir fragen uns: warum bloss? Wir befinden uns doch im digitalen Zeitalter! Active Sourcing ist eine gängige Vorgehensweise und Fachpersonen werden auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger. Plattformen wie LinkedIn, Xing, Stack Overflow, Visage, Entelo, Amazing Hiring bieten die unglaublich vorteilhafte Möglichkeit, gezielt nach passenden Fachkräften zu suchen. Hat ein potenzieller Kandidat sein Profil so eingestellt, dass er über neue Herausforderungen informiert werden will, steht das Tor zur Kontaktaufnahme der Recruiter offen.

Digitale Netzwerke als Austauschplattformen nutzen

Wenn Sie von einem Recruiter kontaktiert werden und kein Interesse an der vorgeschlagenen Stelle haben: Nutzen Sie die Gelegenheit und begrüssen Sie den Austausch mit ihm oder ihr. Profitieren Sie von den Tipps, die Sie erhalten können, seien Sie offen für Neues oder nehmen Sie das Gespräch zum Anlass, Ihnen bekannte Fachkräfte vorzuschlagen, welche aktuell auf Jobsuche sind und ideal auf das Jobprofil zugeschnitten sind. Ergreifen Sie Opportunitäten dort, wo sie passieren und vergessen Sie möglichst schnell den negativen Beigeschmack, welchen die Bezeichnung «Abwerben» hinterlässt. Abwerben war gestern. Heute ergreift man Möglichkeiten. Frei nach Oscar Wilde’s «Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiss, ob sie wiederkommen!»

Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Auch bei der Personalgewinnung.

Angestellte, welche zufrieden ihrer Arbeit frönen und mit Leidenschaft bei der Sache sind, reagieren nicht auf das digitale Balzverhalten der Recruiter. Die Anfragen prallen ab und der glückliche Arbeitnehmer oder die glückliche Arbeitnehmerin bucht dies unter «nice try» ab. Sind jedoch die Verhältnisse im Job nicht mehr zufriedenstellend? Gibt es Differenzen mit dem Vorgesetzen oder den Teammitgliedern? Oder bleibt die längst versprochene Beförderung aus? Dann haben Recruiter gute Chancen, die Aufmerksamkeit der potenziellen Kandidaten zu erregen. Nutzt nun der Angestellte diese Kontaktanfrage, um den Chef mit der Info zu reizen, dass er allenfalls abspringen könnte, kann ein Arbeitgeber dies auch als positives Zeichen sehen. Jetzt hat er die Möglichkeit, seine Mitarbeitenden mit innovativen und lukrativen Benefits an das Unternehmen zu binden und z.B. spannende Projekte zu übergeben, Weiterbildungen zu bewilligen und faire Löhne einzuführen. So fühlen sich Mitarbeiter*innen wertgeschätzt und wohl am Arbeitsplatz. Dann kann kommen, wer mag: Als Botschafter des Unternehmens sind diese überzeugten Mitarbeiter*innen für Recruiter unantastbar.

Deshalb, liebe Recruiter, werbt bloss ab, ihr gebt den Chefs und HR-Mitarbeitenden die Möglichkeit, besser zu werden und die Mitarbeitenden überzeugend an das Unternehmen zu binden. Vielen Dank! ;-)